Gemeinsam mit dem unabhängigen Marktforschungsinstitut Ipsos befragte EOS 2200 Unternehmen in zehn Ländern zu den dortigen Zahlungsgewohnheiten. Jeweils 200 Unternehmen in Großbritannien, Spanien, Griechenland, Rumänien, Russland, der Slowakei, Bulgarien, Polen und Belgien sowie 400 Unternehmen in Deutschland beantworteten Fragen rund um die eigenen Zahlungserfahrungen, die wirtschaftliche Entwicklung des Landes sowie zu den Themenkreisen Risiko- und Forderungsmanagement.
Deutsche Unternehmen erkennen den Bedarf an professionellem Risiko- und Forderungs- management und vertrauen vor allem externen Dienstleistern. Knapp 90 % der deutschen Firmen arbeiten mit Spezialisten wie Anwaltskanzleien oder Mahn- und Inkassounternehmen zusammen. Das Ergebnis: Nur 9 % deutschen Firmen waren bislang von Liquiditätsengpässen betroffen – so wenige wie in keinem anderen Land. Im internationalen Vergleich gehören die Deutschen außerdem mit zu den pünktlichsten Zahlern: 81,4 % der Rechnungen an Privatkunden werden bei einem Zahlungsziel von durchschnittlich 20 Tagen pünktlich bezahlt.
Im internationalen Vergleich kommt dem Forderungsmanagement in britischen Unternehmen ein hoher Stellenwert zu. 45 % der befragten Unternehmen verfügen über Experten in diesem Bereich. Aus nationaler Sicht sinkt allerdings die Bedeutung: Im Jahr 2009 waren es noch 66 % der Unternehmen, die über spezialisierte Mitarbeiter verfügten. Auch beim Outsourcing wird gespart: 2009 gaben 60 % der Befragten an, ihr Forderungsmanagement an externe Dienstleister zu geben, 2010 waren es nur 53,5 %. Eine Konsequenz, die sich daraus ergibt: Innerhalb eines Jahres hat sich der Anteil der Forderungsausfälle bei britischen Unternehmen nahezu verdoppelt.
Spanische Unternehmen leiden unter einem hohen Anteil von Zahlungsausfällen: 4,9 % aller Forderungen gegenüber Privatkunden und 4,6 % der Forderungen gegenüber Geschäftskunden fallen aus. Besonders stark betroffen ist der Dienstleistungssektor: 10 % der Forderungen gegenüber Privatverbrauchern und 7,8 % der Rechnungen gegenüber Geschäftskunden müssen abgeschrieben werden. Der im internationalen Vergleich hohe Anteil an Forderungsausfällen sowie hohe Außenstände und lange Zahlungsziele wirken sich auf die Liquidität der spanischen Unternehmen aus. 17 % der befragten Unternehmen und 21 % der Dienstleistungsunternehmen litten bereits unter Zahlungsengpässen. Im westeuropäischen Vergleich sind die spanischen Unternehmen damit besonders stark betroffen.
Obwohl griechische Unternehmen ihren Kunden im internationalen Vergleich die längsten Zahlungsziele gewähren, begleichen nur knapp 50 % der Kunden ihre Verbindlichkeiten termingerecht. Entsprechend des derzeitigen Zahlungsverhaltens in ihrem Land rechnen mehr als die Hälfte der griechischen Unternehmen damit, dass sich die Zahlungsmoral in den nächsten zwei Jahren weiter verschlechtern wird. Im Einklang mit der erwarteten Verschlechterung der Zahlungsmoral gehen 73 % und damit im internationalen Vergleich der größte Teil der Befragten von einer Bedeutungszunahme der Bereiche Risiko- und Forderungsmanagement aus. Die langen Zahlungsziele spiegeln sich in hohen Außenständen wieder: Im Ländervergleich weist Griechenland mit 22 % den höchsten Anteil an offenen Forderungen im 10-Länder-Vergleich auf.
31 % der rumänischen Unternehmen waren bereits in ihrer Liquidität gefähr-det. Der Grund: Zahlungsausfälle oder -verzögerungen bei Kunden. Am stärksten betroffen von Liquiditätsengpässen waren Handelsunternehmen. 39 % waren aufgrund von Zahlungsausfällen bereits in ihrer Existenz gefährdet (Dienstleistungen: 27 %, Industrie: 24 %). Im Vergleich zu 2007 ist die Zahl der betroffenen Unternehmen insgesamt deutlich gestiegen, damals gaben 16 % der Befragten an, bereits unter Liquiditätsengpässen gelitten zu haben.
Russische Unternehmen haben es schwer: Nur 57 % aller Rechnungen in Russland werden termingerecht bezahlt. Besonders stark betroffen sind Unternehmen mit Privatkunden. Nur 39,6 % bezahlen ihre Rechnungen innerhalb der gesetzten Frist.
Doch auch wenn die Kunden ihre Zahlungsfristen häufig überschreiten, verzeichnen russische Unternehmen nur wenige Zahlungsausfälle. Lediglich 0,9 % der Rechnungen aus dem Privatkundengeschäft und 2,3 % der Forderungen gegenüber Geschäftskunden müssen abgeschrieben werden. Dennoch gerieten bereits 15 % der befragten Firmen aufgrund von Zahlungsverzögerungen in Liquiditätsschwierigkeiten.
Weniger als zwei Drittel der Rechnungen an Privatkunden – nur 59,7 % – gehen pünktlich ein, eine bessere Zahlungsmoral bescheinigen slowakische Unternehmen ihren Geschäftskunden. Zahlungsausfälle treffen die Firmen in der Slowakei vergleichsweise selten. Im internationalen Vergleich erreichen sie mit 1,4 % im Privatkunden-Segment und 2,2 % bei den Geschäftskunden gute Werte. Dennoch geht mit 34 % gut ein Drittel der Unternehmen davon aus, dass die Bedeutung des Risiko- und Forderungsmanagements in den nächsten zwei Jahren zunehmen wird – unabhängig von Unternehmensgröße oder Branche.
Bulgarische Unternehmen verzichten im 10-Länder-Vergleich am häufigsten auf ein professionelles Risiko- und Forderungsmanagement. Nur 13 % der befragten Unternehmen gaben an, über spezialisierte Mitarbeiter zu verfügen. Externe Unterstützung nehmen nur 27,2 % in Anspruch. Erstaunlich, denn nach Angabe der Firmen wird nur knapp jede zweite Rechnung (49,6 %) fristgerecht bezahlt. Außerdem leiden bulgarische Unternehmen zudem unter einem hohen Anteil an Forderungsausfällen.
71,3 % aller Rechnungen werden laut Angaben der 200 befragten polnischen Unternehmen pünktlich innerhalb der vorgegebenen Zahlungsfrist von durchschnittlich 28 Tagen gezahlt. Besonders vorbildlich verhalten sich die polnischen Konsumenten:
Sie zahlen im Schnitt 75,9 % der Verbindlichkeiten innerhalb des Zahlungsziels von 15 Tagen – der kürzesten Frist im internationalen Vergleich.
Trotz dieser vergleichsweise positiven Werte geben 21 % der polnischen Unternehmen an, bereits aufgrund von Zahlungsverzögerun-gen oder -ausfällen in seiner Liquidität gefährdet gewesen zu sein. Vor allem Industriebetriebe waren schon einmal von Engpässen betroffen.
Belgische Unternehmen setzen beim Forderungsmanagement auf Experten: 36 % von ihnen verfügen über interne Fachkräfte, auf professionelle Unterstützung von außen setzen 70 % der Unternehmen im Endkundenbereich und 80 % der Firmen mit Geschäftskundenbeziehungen.